„Was mich betrifft, so gestehe ich offen, daß ich keine wie immer gearteten Neidkomplexe gegen irgendeine Gesellschaftsschicht, Kaste oder Berufssparte in mir trage – außer natürlich gegen Politiker. Schließlich haben wir alle genügend eigene Sorgen und dazu auch noch etliche unserer Mitmenschen.
Nachdem das geklärt ist, muss ich allerdings zugeben, daß immerhin eine kleine Gruppe von Leuten ein recht beneidenswertes Leben führt: die Amateurfunker. Sie formieren sich in kleinen Cliquen, irgendwo zwischen 1256 und 1270 Kilo-Hertz, und führen faszinierende Zwiegespräche, wie zum Beispiel das folgende:
‚Hallo! Hallo! Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara. Ich rufe Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport. Ich wiederhole.‘ (Und genau das tut er.) ‚Bitte kommen. Bitte kommen. Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara, bitte sprechen!‘
Worauf einige Bips und Bups zu vernehmen sind, gefolgt von der Antwort: ‚Hier spricht Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport. Wie geht's Fritzi? Kannst Du mich gut hören? Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport Ende.‘ ‚Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara. Ich kann Dich gut verstehen, aber mir kommt vor, dass der Frequenz-Converter von Deiner Drei-PLX Modulationseinheit eine leichte Rückkopplung hat. Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara Ende.‘ Zu diesem Zeitpunkt wird die Stimme von Mikro-Zwo-Makro bruechig und ist kaum noch zu verstehen: ‚Hier spricht Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport Danke für den Tip, Freund, ich habe den frontalen Sende-Entzerrer auf Impuls F-Zwölf gestellt. Kannst Du mich jetzt besser hören, Fritzi? Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport Ende.‘ ‚Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara. Dein Zykloston ist nicht richtig zentriert. Ausserdem glaube ich, das Dein Elektroden-Verwurtzler überheizt ist. Weisst Du was, ich komme mit dem Lötkolben runter. Gamma-Null-Delta …‘
Worauf Gamma-Null-Delta eine Treppe hinuntereilt, wo ihn Mikro-Zwo-Rappaport an der offenen Tür erwartet. Nachdem der Schaden behoben ist, begibt Fritzi sich wieder in das oberste Stockwerk, setzt sich an seinen Elektroden-Verwurtzler und beginnt wieder zu senden, Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster …
Das, liebe Freunde sind die einzigen Menschen in der Welt, die ich wirklich beneide.“
Ephraim Kishon † 29. Januar 2005
Nachdem das geklärt ist, muss ich allerdings zugeben, daß immerhin eine kleine Gruppe von Leuten ein recht beneidenswertes Leben führt: die Amateurfunker. Sie formieren sich in kleinen Cliquen, irgendwo zwischen 1256 und 1270 Kilo-Hertz, und führen faszinierende Zwiegespräche, wie zum Beispiel das folgende:
‚Hallo! Hallo! Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara. Ich rufe Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport. Ich wiederhole.‘ (Und genau das tut er.) ‚Bitte kommen. Bitte kommen. Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara, bitte sprechen!‘
Worauf einige Bips und Bups zu vernehmen sind, gefolgt von der Antwort: ‚Hier spricht Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport. Wie geht's Fritzi? Kannst Du mich gut hören? Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport Ende.‘ ‚Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara. Ich kann Dich gut verstehen, aber mir kommt vor, dass der Frequenz-Converter von Deiner Drei-PLX Modulationseinheit eine leichte Rückkopplung hat. Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara Ende.‘ Zu diesem Zeitpunkt wird die Stimme von Mikro-Zwo-Makro bruechig und ist kaum noch zu verstehen: ‚Hier spricht Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport Danke für den Tip, Freund, ich habe den frontalen Sende-Entzerrer auf Impuls F-Zwölf gestellt. Kannst Du mich jetzt besser hören, Fritzi? Mikro-Zwo-Makro Intercom Rappaport Ende.‘ ‚Hier spricht Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster Niagara. Dein Zykloston ist nicht richtig zentriert. Ausserdem glaube ich, das Dein Elektroden-Verwurtzler überheizt ist. Weisst Du was, ich komme mit dem Lötkolben runter. Gamma-Null-Delta …‘
Worauf Gamma-Null-Delta eine Treppe hinuntereilt, wo ihn Mikro-Zwo-Rappaport an der offenen Tür erwartet. Nachdem der Schaden behoben ist, begibt Fritzi sich wieder in das oberste Stockwerk, setzt sich an seinen Elektroden-Verwurtzler und beginnt wieder zu senden, Gamma-Null-Delta Doppel-Zwölf Westminster …
Das, liebe Freunde sind die einzigen Menschen in der Welt, die ich wirklich beneide.“
Ephraim Kishon † 29. Januar 2005
Es gibt wenige Probleme, die nach einem Ofenkäse nicht bedeutend unwichtiger erscheinen.


Tag 24 – Ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, daß Du es liest/gelesen hast
Aus reiner Langeweile nahm ich in noch recht jungen Jahren einmal die Bibel zur Hand und las. Langatmige Schilderungen geschichtlicher Vorgänge schreckten mich ebensowenig wie unerklärliche Wendungen des Plots oder göttliche Eingriffe, immerhin hatte ich direkt vorher den Schwab verschlungen und mich auch an den Metamorphosen versucht. Vom Alten Testament noch ansatzweise angetan verließ mich jedoch bei der dritten Wiederholung des Evangeliums der Durchhaltewille und ich übersprang alles Nachfolgende bis direkt zur Offenbarung, die zumindest wieder etwas frischen Wind (Apokalypse! Hure Babylon! Kampf Gut gegen Böse!) brachte.Insgesamt war ich vom meistgelesenen Buch der Welt eher enttäuscht – zu wirr und ziellos die Handlung, zu lasch geschrieben. Dem Genre der Fantasyliteratur blieb ich dennoch treu, meine nächste Lektüre von J. R. R. Tolkien leistete sich diese Anfängerfehler nämlich nicht.
Im Jahr 2002 trat ich meinen Wehrdienst an. Die Anschläge von 9/11 lagen noch nicht weit zurück, die U. S. A. hatten eben Afghanistan eingenommen und hierzulande begann die seither nicht mehr verstummte Diskussion, ob der Islam eine Lehre der Gewalt ist oder dies nur von einzelnen Verrückten so propagiert wird, die die Religion gerne für ihre Zwecke mißbrauchen wollen. In dieser Diskussion werden stets einer lange eingespielten Routine gleich Suren und Verse aus dem Koran zitiert und so belegt, daß jeder Muslim wahlweise ein potentieller Massenmörder oder die neue Mutter Teresa ist. Um für mich Licht in das Dunkel zu bringen (und weil man während diverser Wach- und UvD-Dienste recht wenig zu tun hat) besorgte ich mir eine Ausgabe des Koran und las.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet man sich recht schnell in den fremdartig erscheinenden Schreibstil der Koranübersetzung hinein und kann den Inhalt flüssig lesen. Was man dort allerdings liest erscheint ebenso fremd: genau wie das Alte Testament (und vermutlich ebenso wie die Thora) gibt dieses Buch Zeugnis von jahrtausendalten Wert- und Moralvorstellungen, die für jeden aufgeklärten Menschen der Moderne derart abstrakt erscheinen, daß man sie nur wahrnehmen, nicht aber verstehen kann.
Nach dieser ersten Lektüre habe ich den Koran nie wieder angerührt. Mein Interesse war völlig befriedigt und mich weiter mit den Inhalten auseinanderzusetzen – dafür konnte ich sie zu wenig ernst nehmen. Als Zeugen ihrer Zeit sind all diese Suren sicherlich interessant, als Anklagepunkte oder Belege für latente Gewaltbereitschaft aller Muslime taugen sie nicht. Der Mensch kann an jeden beliebigen Blödsinn glauben, sich vorhandener Götzen bedienen oder neue erschaffen. Die Gedanken sind frei. Wenn jedoch die Entscheidung fällt, seine Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen, dann ist dafür ebenjener Mensch verantwortlich, nicht Glaube, eine übergeordnete Macht oder ein Buch.
Bild: Einband eines Koran, lizenziert unter CC, Quelle: Flickr.